Guten Morgen liebes Miami!
Aufstehen, die Sonne im Gesicht und ab zur Rezeption, endlich das Gepäck abholen.

Finally, können wir sagen.
Finally haben wir unsere Sachen wieder.
Auch wenn es irgendwie gemein ist, denn wir hätten schon gerne (weiter) auf die Kosten anderer geshoppt smiley.

Unser erster Blick gilt dem Champagner, denn wir haben die ernste Befürchtung, dass er Schaden genommen haben könnte.
Hat er aber nicht. Wir sind einfach Glückskinder!
Leider können wir den Champagner nicht kalt stellen, denn der Kühlschrank der Minibar ist ohnehin schon mehr als überfordert.

Alles ist da. Wunderbar!
Dann können wir ja endlich unseren Plan umsetzen und das anschauen, was wir anschauen wollten… auch wenn die Zeit für unseren Plan nun deutlich knapper bemessen ist…

Auf der Suche nach einem Frühstück empfiehlt uns der Concierge, im News Café zu frühstücken.
Hm… also, wenn das jemand empfiehlt, der hier lebt, dann kann es nicht so verkehrt sein… oder aber er hat was mit einer der Bedienungen oder so.
Wie auch immer, wir kommen ihm eigentlich nicht so recht aus und gehen ins News Café.
Es ist nicht so, wie man sich das vorstellt, direkt am Ocean Drive, sehen und gesehen werden… es ist nämlich viel entspannter smileyein Café, ein schönes noch dazu, der Strand ist auch nicht weit, und das Essen ist lecker… bis auf den Kaffee, aber wir sollten noch deutlich schlechteren zu trinken bekommen.
Es hat schon seinen Grund, dass nicht die Amerikaner zur Coffee Nation geworden sind… smiley

Wider erwarten ist es auch gar nicht so teuer, und hier bekommt man echt value for money. Und nicht nur das. Sogar auch ne Menge Obst, was, wie wir noch erfahren werden, für die Gegend in der Nähe von Orange County eine echte Seltenheit zu sein scheint.

So, lecker gegessen und ordentlich gestärkt lassen wir unser Auto von irgendwoher holen und fahren dann in Richtung Miami. An dieser Stelle der kleine Hinweis, Miami und Miami Beach sind zwei völlig unterschiedliche Städte, die nur mehr oder weniger zufällig so nah beieinander liegen.

auf dem Weg nach Miami sehen wir eine kleine aber sehr feine Insel.
Unsere Neugier ist geweckt, und auf geht es, ab über die Brücke nach Palm Island und Hibiscus Island.
Von der Brücke hat man einen tollen Blick auf Miamis Wolkenkatzer, und wenn man dann wieder vor das Auto schaut, dann sieht man… eine Schranke.
Ok, ich wollte schon aufgeben… eine Schranke, in diesem Fall mit einem Wärterhäuschen, heißt für mich so viel wie “Du, Fremder, hast hier gar und überhaupt nichts verloren, also verp*** Dich!!!”
Andi ist da irgendwie gelassener und will es versuchen… er will es also wissen und steuert unbeirrt auf die Schranke zu.
Und was passiert?
Na klar! Unsere Mietkiste ist groß genug, um als Türöffner zu dienen…
Also cruisen wir gemütlich durch die sehr privaten, sehr edlen und sehr wohlhabenden Straße vom Palm und Hibiscus Island.
Aber auch hier scheint die Finanzkrise ihre Spuren hinterlassen zu haben. Einige, eher viele Häuser stehen leer.
Da wir auf die schnelle den Makler nicht antreffen, fahren wir weiter nach Miami. smiley

Little Haiti ist unser Ziel.
Little Haiti ist ein Stadtteil Miamis, in dem viele haitianische Einwanderer leben.
Wir erwarten also ein lustiges, buntes, karibisches Fleckchen Erde.
Was auf uns wartet, ist aber etwas anderes. Es ist… arm… keine unglückliche Armut, aber eine zurückhaltende, vorsichtige.
Die Menschen beobachten uns Fremde sehr genau.
Aber auf jedes Lächeln, das wir schenken, erhalten wir ein Lächeln zurück.

In Little Haiti gibt es Botanicas.
Das sind kleine Läden, die dunkel und verraucht sind, nach sowas wie Weihrauch oder Gras riechen, und die von irgendjemandem mit unglaublich viel Zeug vollgestopft wurden, dass man gar nichts mehr sieht.
Eigentlich sind es auch keine Läden, denn ich habe nichts zu kaufen gesehen.
Man kann aber in sich lesen lassen. Für 77 Dollar… pro Person.
Ich gestehe, ich bin schuld, dass wir es nicht getan haben… wer will eigentlich schon so genau wissen, was in einem steht… ich meine… dann wäre ich ein Buch geworden, oder? smiley
Ja, es ist mir unheimlich.
Wahrscheinlich, weil der gute Mann mich gefühlte 100 Mal fragt, ob ich wirklich die ganze Wahrheit erfahren will… noch heute bin ich mir sicher, dass ich ganz gut mit mir lebe, auch wenn ich nicht alles weiß…

Der gute Mann hat uns dann alles Gute gewünscht, und wir ziehen weiter.
Zurück zu unserem Auto, das wir bei einem sehr, sehr netten Parking Service abgestellt hatten, und weiter in die Stadt.

Der Stadthafen Miamis ist süß, wenngleich es keinen Vergleich mit der V&A Waterfront Kapstadts geben darf. Dem Vergleich würde Miami nicht standhalten können.
Was allerdings wirklich klasse ist, ist die offene Bühne, auf der immer Programm zu sein scheint.
Es ist nicht Santana, aber so schlecht ist der gute Mann mit der Gitarre nicht.
Und Santa Claus ruht sich vor seiner anstehenden Arbeit auch etwas aus. Er sitzt nämlich neben uns.
Ich wette, wenn Ihr die Bilder anschaut, wisst Ihr, wen ich meine smiley

Und nun? Nach Littla Havanna laufen oder fahren?
Ich bin ja eigentlich für laufen, lasse mich dann aber doch von Andi zum Fahren überreden und muss zugeben. Das ist eine gute Idee. Ums Eck ist das nämlich nicht.
Nichts desto trotz kommen wir genau in den Feierabendverkehr. Es könnten auch die Menschen sein, die in Urlaub fahren.

Angekommen auf der Calle Ocho, also der 8. Straße Miamis.
Dieser Teil der Straße ist der kubanische Teil.
Und es ist genau so, wie man sich Kuba vorstellt. Also, zumindest so lange man noch nicht auf Kuba war.
Wir schlendern die Straße auf und ab und machen kaum Fotos.
Wir haben das Gefühl, damit zu sehr in das Privatleben anderer einzudringen.
Wir müssen es im Herzen behalten.

Es gibt dort überall Zigarrenläden, aber leider hat die Zigarrenfabrik, die wir uns eigentlich ansehen wollen, schon geschlossen, so dass wir weiterspazieren und schließlich bei einer schwangeren Frau zwei Zigarren kaufen und eine geschenkt bekommen.
Die wollen wir uns für Weihnachten gönnen. Mit dem Champagner smiley

Es wird wieder dunkel, auf dem Rückweg zum Auto kommen wir an einem kleinen “Park” vorbei, in dem lauter Menschen sitzen, die Domino spielen. Ein tolles Bild.
Wer die Schachspieler an der Münchner Freiheit kennt, kann sich das ganz entfernt vorstellen.
Es ist nur noch faszinierender und weniger durchzogen von Menschen, die da nicht hingehören.
Domino ist ein bei Kubanern sehr beliebtes Spiel.

Wir haben übrigens auch erfahren, dass viele in Little Havanna lebende Kubaner gar nicht mehr den Wunsch hegen, nach Kuba zurückzukehren, weil sie dort gar nicht aufgewachsen sind, wohingegen andere, die auf Kuba geboren sind, sich sehr wünschen, irgendwann zurückkehren zu können.

Auch kommen wir an einem Gemüseladen vorbei, in dem uns wieder einmal klar gemacht wird, dass in Amerika eben alles ein kleines bisschen größer ist… eine Avocado in der Größe einer Honigmelone habe ich bis dahin noch nie gesehen… Faszinierend.

Zeit wird es, sich ins Auto zu packen, und wir machen und wieder auf den Weg nach Miami Beach.

Dort angekommen, erkennen wir fast unser Hotel nicht wieder.
Kaum ist man mal einen Tag weg, kommen ganz neue Möbel.
Sehr schicke Lounge Möbel, die wir uns durchaus auch in unserem Wohnzimmer vorstellen könnten.

Wir duschen fix und gehen dann zum Essen ins Puerto Sagua , das im Reiseführer mit kubanisch-traditioneller Küche beschrieben wird. Ja, das klingt gut.
Es ist auch gut. Der Wein ist sehr lecker, der Kaffee ist wirklich gut.
Nur haben wir uns noch nicht daran gewöhnt, dass Essen in diesem Land nicht dem Genuss sondern der reinen Nahrungsaufnahme dient. Diese gilt es zeitlich zu optimieren.
Wer’s mag…

Mit vollgeschlagenem Bauch machen wir dann noch einen Spaziergang über die berühmte Lincoln Road und trinken im Quattro noch einen Wein.
Eine unglaubliche Frechheit ist, dass ein Tip von 19% direkt auf der Rechnung steht.
Es geht nicht um den Tip, der in den Staaten immer zwischen 15 und 20% liegen sollte.
Es geht darum, dass ich immer noch selbst entscheiden möchte, wer welchen Tipp von mir bekommt.
Wir diskutieren etwas, beschließen aber, dass es den Ärger nicht wert ist.
Wir würden da nicht wieder etwas trinken – auch nicht, wenn wir wieder kommen.
Die Rache der kleinen Flitterreisenden smiley

Wir lassen uns den Abend nicht verderben und schlendern gemütlich heim, und das unter nicht gar so kitschiger, aber irgendwie doch unwirklich erscheinender Weihnachtsbeleuchtung…

Bis bald
Eure Nici